Im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive haben wir in Berlin-Mitte ein vierzügiges Gymnasium für rund 700 Schülerinnen und Schüler auf einem stadträumlich anspruchsvollen Areal realisiert. Der stark gegliederte Schulmäander entwickelt seine Form aus dem polygonalen Zuschnitt des Baufelds sowie den unterschiedlichen Fluchten und Maßstäben der teils denkmalgeschützten Umgebungsbebauung. Zur Schulstraße schafft der Neubau eine klar gefasste Adresse, während das begrünte Innere des Berliner Großblocks als geschützter Schulhof genutzt wird. Im Inneren gliedert sich das Haus in sechs Lernbereiche, sogenannte Compartments, mit Unterrichtsräumen, Foren und Teambereichen. Eine zentrale Erschließungs- und Begegnungsachse, gemeinschaftlich genutzte Räume und zwei gestapelte Dreifeldsporthallen verbinden die einzelnen Compartments zu einer lebendigen Schulstadt.
Das Gymnasium liegt in einem stark durchgrünten, dreiecksförmigen Großblock zwischen Schulstraße, Iranischer Straße und Heinz-Galinski-Straße im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen. Historische Solitärbauten, gründerzeitliche Häuser und großmaßstäbliche Gebäude der Nachkriegsmoderne prägen die Nachbarschaft. Gegenüber steht die denkmalgeschützte Anlage des Jüdischen Krankenhauses und an der Schulstraße grenzt ein erhaltener Backsteinbau der früheren Kaiser-Wilhelm- und Kaiserin-Augusta-Stiftung an.
Unsere architektonische Antwort auf dieses heterogene Umfeld ist eine Folge versetzter Baukörper entlang der stark befahrenen Schulstraße. Sie fassen den Straßenraum und weiten sich an der Kreuzung zur Iranischen Straße zu einem großzügigen Vorplatz mit dem Haupteingang der Schule. Zum Blockinneren schaffen die Baukörper Raum für geschützte Höfe und Nischen und verzahnen sich mit dem grünen Innenhof.
Die beiden übereinandergestapelten Dreifeldsporthallen bündeln das große Sportvolumen entlang der Schulstraße. Gemeinsam mit dem Eingangsgebäude bilden sie eine schützende Kante, fassen den Straßenraum und halten den Verkehrslärm von den zum Blockinneren orientierten Lernbereichen fern. Die kompakte Anordnung gewinnt zugleich wertvolle Fläche für den Schulhof. Schule und Sporthalle verfügen über getrennte Zugänge und können unabhängig genutzt werden. So stehen die Hallen auch außerhalb der Unterrichtszeiten dem Breiten- und Vereinssport, darunter dem Rollschuhverein, offen. Innerhalb des Gebäudes bleiben Schule und Sport über kurze Wege miteinander verbunden.
Schulhof unter alten Bäumen
Hinter der straßenbegleitenden Bebauung entfaltet sich ein großzügiger, in unterschiedliche Bereiche gegliederter Schulhof, dessen Charakter vom erhaltenen Baumbestand bestimmt wird. Die mächtigen Baumkronen spenden Schatten, mildern die sommerliche Erwärmung und schaffen ein angenehmes Mikroklima. Zwischen den alten Bäumen wurden geschützte Orte für Bewegung und Rückzug geschaffen, die dem Schulhof vom ersten Tag an eine hohe Aufenthaltsqualität geben.
Zum Schulgebäude hin setzen Holzdecks, Sitzinseln und Bewegungsangebote lebendige Akzente, weiter nordwestlich geht der Hof in naturnah gestaltete Bereiche über. Terrassen und Außentreppen führen direkt aus den Lernbereichen nach draußen und binden den Schulhof eng in den Alltag der Schule ein.
Lernhäuser in der Schulstadt
Sechs Compartments bilden übersichtliche Lernbereiche, vier für die Sekundarstufe I und zwei für die Sekundarstufe II. In jedem Compartment gruppieren sich Unterrichts- und Teilungsräume, ein Ruheraum und der Teambereich der Lehrkräfte um ein gemeinsames Forum. Diese polygonalen Mitten sind als eigenständige, klar gefasste Räume mit hoher Aufenthaltsqualität gestaltet. Ihre besondere Geometrie gibt ihnen eine große Präsenz und macht sie als Mitte des Compartments unmittelbar erfahrbar. Als vollwertige kleine Zentren erweitern sie den Unterrichtsraum und bieten vielfältige Möglichkeiten für selbstständiges Lernen.
Das zentrale Foyer erschließt das Haus und führt über eine offene Treppe durch einen viergeschossigen Luftraum in die oberen Ebenen. Von hier verbindet eine zentrale Achse die Compartments mit den Fachbereichen, den Sporthallen und den gemeinsam genutzten Räumen. Mensa und Mehrzweckraum lassen sich zu einer Aula zusammenschalten und stehen über ihre Vorzone in räumlicher Beziehung zum Foyer und zu den Musikräumen.
Großzügige Verglasungen schaffen Sichtbeziehungen und erleichtern die Orientierung. Terrassen, Fassadenöffnungen und kreisförmige Oberlichter bringen Tageslicht tief in die einzelnen Foren.
Lebendige Farben, klare Flächen
Die auf 355 Bohrpfählen gegründete Stahlbetonkonstruktion erhält durch die vorgehängte Metallfassade einen fein gegliederten Ausdruck. Vertikal gekantete Paneele in warmem Grau bilden die ruhige Grundfläche, während farbig beschichtete Metalllamellen mit abgewinkeltem Profil die horizontalen Fensterbänder rhythmisieren. Je nach Blickrichtung und Lichteinfall treten Pastelltöne sowie kräftiges Blau, Rot und Orange unterschiedlich hervor und verleihen der Fassade Tiefe und Bewegung.
Im Gebäudeinneren wird die Farbigkeit in den Geländern, im grafischen Leit- und Orientierungssystem sowie in Teilen der Möblierung weitergeführt. Pastellgrüne Wandflächen und ein heller, blaugrauer Bodenbelag prägen die Lernräume und Foren. Klare Sichtbetonflächen und -stützen, helle Wandpartien und akustisch wirksame Deckenplatten in einem warmen Naturton ergänzen die zurückhaltende Farbpalette. So entsteht eine robuste und zugleich angenehme Umgebung für konzentriertes Lernen und gemeinschaftliche Nutzung.
Gemeinsam zur gebauten Qualität
Für das Partnering-Verfahren haben wir die funktionalen Anforderungen und die vorgesehenen Materialien frühzeitig und detailliert beschrieben. Auf dieser gemeinsamen Grundlage konnten Planung und Ausführung eng zusammenarbeiten, mögliche Hindernisse früh erkennen und Entscheidungen auf kurzen Wegen treffen. Ein engagiertes Team auf beiden Seiten erleichterte die gebündelte Abstimmung von Produkten und Details und half dabei, die zentralen Qualitäten des Entwurfs bis in die Ausführung zu tragen. So wurde das Gebäude rund sechs Monate vor dem ursprünglich vorgesehenen Termin baulich fertiggestellt. Seine funktionalen, wirtschaftlichen, soziokulturellen und ökologischen Qualitäten spiegeln sich auch in der Zertifizierung nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen wider, die der Neubau in Silber erlangt hat.