Am Leonberger Stadteingang haben wir vier Wohnhäuser realisiert. Die gestaffelten Baukörper folgen der Topografie und öffnen das Quartier zur Stadt. An der Kreuzung von Stuttgarter Straße und Grabenstraße, der Sonnenkreuzung, trifft diese Öffnung auf eine wichtige Verbindung zwischen Leonberger Altstadt, Wohngebiet Engelberg und den innerstädtischen Verkehrswegen. Auf dem früheren Direktionsareal der Kreissparkasse Böblingen wurde diese besondere Lage in der rund 50.000 Einwohner zählenden baden-württembergischen Stadt zum Ausgangspunkt für eine Neuordnung des innerstädtischen Grundstücks. Die von uns geplanten 71 Mietwohnungen, wovon ein Viertel sozial gefördert ist, und das neue Direktionsgebäude der Kreissparkasse vom Architekturbüro Auer Weber bilden gemeinsam das Burghaldenquartier. Die Setzung der Gebäude ergänzt die vorhandene Bebauung am Engelberg und fasst zugleich den Stadtraum an der Sonnenkreuzung.
Die Kreissparkasse Böblingen hatte uns früh in die städtebauliche Entwicklung des Areals einbezogen. Ausgangspunkt war das weitläufige Grundstück der früheren Direktion mit Verwaltungsgebäude und parkartigem Freiraum. Neben einer neuen Direktion sollten hier innerstädtische Mietwohnungen entstehen. In enger Abstimmung mit Stadtplanung und Gemeinderat entwickelten wir die städtebauliche Figur und planten darauf aufbauend die vier Wohnhäuser.
Ein Quartier an der Sonnenkreuzung
Die Wohnbebauung nimmt die unterschiedlichen Maßstäbe des Ortes auf und fügt sie zu einer gemeinsamen Quartiersfigur. Zwei Häuser fassen das Grundstück zu den Straßen hin, während zwei weitere ins Innere rücken und dort geschützte Höfe zur Wohnbebauung am Engelberg bilden. Zugleich profitiert das Quartier von seiner zentralen Lage mit kurzen Wegen in die Innenstadt und einer guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Für die städtebauliche Ausarbeitung waren neben Gebäudehöhen, Blickbeziehungen und der Einbindung in die Nachbarschaft auch Verkehr, Baumbestand und Stadtklima maßgeblich. Sie bestimmten die Anordnung und Staffelung der Baukörper wesentlich mit.
Der Hang gibt die Ordnung vor
Rund zehneinhalb Meter steigt das Grundstück von der Grabenstraße in Richtung Engelberg an. Die Baukörper folgen dieser Topografie mit gestaffelten Geschossen und zurückgesetzten oberen Ebenen. So entsteht eine Höhenentwicklung, die den Hang aufnimmt und zugleich auf den Maßstab der angrenzenden Wohnbebauung reagiert.
Auch die Erschließung folgt dem Gelände. Zwei Tiefgaragen nehmen die nötigen Stellplätze auf und halten die Wege und Höfe zwischen den Häusern autofrei. Eine Zufahrt liegt an der tiefer gelegenen Grabenstraße, die zweite an der Stuttgarter Straße. Geschosshohe Geländesprünge schaffen auf den überdeckten Garagen ebene Hofbereiche und verbinden die unterschiedlichen Niveaus des Grundstücks. Ein großer Teil der Freiräume liegt damit auf den Tiefgaragendächern und wird intensiv als grüner Aufenthaltsraum genutzt.
Wege durch grüne Höfe
Zur Umgebung öffnet sich das Burghaldenquartier über ein Netz aus Wegen. Eine öffentlich zugängliche Verbindung durchquert das Areal, weitere Wege binden die Höfe und Wohnhäuser an die angrenzenden Stadträume und den Engelberg an. Den Höhenunterschied zwischen den Häusern nimmt eine Rampe auf und schafft eine barrierefreie Passage durch das Quartier.
Für uns war von Beginn an klar, dass die bestehenden Großbäume erhalten werden müssen, deshalb haben wir den Entwurf konsequent um den vorhandenen Baumbestand herum entwickelt. Die Häuser und Wege fügen sich in diese Struktur ein, sodass die Bäume die Höfe von Anfang an prägen und ihnen eine besondere Aufenthaltsqualität und Identität verleihen. So bildet eine majestätische Kastanie bildet heute den Mittelpunkt eines der Höfe. Im benachbarten Hof wächst eine Gruppe neuer Bäume aus einem erhöhten Pflanzbeet mit integrierten Sitzmöglichkeiten. Weiter südöstlich bildet eine große Linde den Mittelpunkt des Spielbereichs. Natursteinquader terrassieren hier den Hang, Stauden, Bodendecker und Blütensträucher begleiten die Wege und überführen den grünen Charakter des früheren Grundstücks in das neue Quartier.
Freiraum für das Stadtklima
Auch klimatisch spielt die Freiraumstruktur eine wichtige Rolle. Vom Engelberg zieht Kaltluft in Richtung Innenstadt. Die Baukörper sind so angeordnet, dass eine zusätzliche Grünzäsur offenbleibt und den Luftaustausch Richtung Altstadt unterstützt. In den Höfen tragen die erhaltenen Bäume und die intensive Begrünung zu einem angenehmen Mikroklima bei, gerade in heißen Sommermonaten. Begrünte Dächer setzen dieses grüne Gefüge bis auf die Häuser fort. Sickerfähiges Betonpflaster auf den Wegen und Rasenfugensteine auf den Feuerwehrzufahrten unterstützen zusätzlich die Durchlässigkeit der Freiflächen.
Wohnen zwischen Hof und Stadt
Die vier Häuser sind als Geschosswohnungsbau mit insgesamt 71 Mietwohnungen konzipiert, deren Grundrisse gezielt auf die jeweilige Lage im Quartier reagieren. Viele Wohnräume orientieren sich zu den grünen Innenhöfen. Entlang der viel befahrenen Grabenstraße bilden Laubengänge eine zusätzliche räumliche Schicht zwischen Wohnen und Straße und erschließen zugleich die einzelnen Wohnungen. Unterschiedliche Wohnungsgrößen und Grundrisstypen schaffen ein differenziertes Wohnungsangebot, von dem ein Viertel sozial gefördert ist.
Die von der Kreissparkasse Leonberg formulierten Anforderungen nach bezahlbarem Wohnraum, einer sozialen Durchmischung und hoher Wohnqualität haben wir in ein ganzheitliches Quartierskonzept übersetzt. Die Wohnungen sind eng mit den gemeinschaftlichen Freiräumen verknüpft und schaffen ein lebendiges Wohnumfeld für unterschiedliche Lebenssituationen. Die grünen Höfe prägen dabei den Charakter des Quartiers und fördern Nachbarschaft, Aufenthalt und Identifikation.
In den privaten Freibereichen setzt sich die Qualität der Wohnungen fort. Loggien, Terrassen und Dachgärten schaffen einen direkten Bezug nach draußen. In den oberen Geschossen öffnen sich weite Ausblicke über die Leonberger Altstadt und die grünen Hänge der Umgebung. Die Staffelung der Häuser eröffnet dabei immer wieder neue Blickbeziehungen und bindet die Wohnungen eng an die Höfe, den Baumbestand und die Topografie des Ortes. Auf den Dachterrassen ergänzen intensiv bepflanzte Bereiche die Freiräume der Wohnungen. Die obersten Dachflächen sind extensiv begrünt und mit Photovoltaikanlagen belegt.
Klinker als verbindendes Material
Hellbeige Klinkerriemchen geben den vier Wohnhäusern einen gemeinsamen Ausdruck und schaffen zugleich eine Verbindung zum Direktionsgebäude der Sparkasse. Hochkant gesetzte Klinker, sogenannte Grenadierschichten, gliedern die Fassaden im Bereich der Fenster und Loggien und setzen feine horizontale Akzente. In den geschützten Bereichen der Laubengänge und Loggien ergänzt ein farblich abgestimmter Putz das Klinkerbild. Auch die zurückgesetzten Eingänge werden über einen Materialwechsel in der Fassade hervorgehoben.
Besonders lebendig werden die Fassaden dort, wo das Wohnen nach außen tritt. Tief eingeschnittene Loggien, offene Laubengänge und großformatige Fenster geben den Häusern Rhythmus und Tiefe. Bronzefarbene Flachstahlprofile bilden die Geländer an Loggien und Laubengängen. Gleichfarbiges Streckmetall ergänzt sie als Sicht- und Absturzschutz vor einzelnen Fassadenöffnungen und lässt Lichteinfall und Ausblicke zu. So reicht die aus dem Ort entwickelte Entwurfsidee von der städtebaulichen Setzung bis in die Gestaltung der Fassaden und Freiräume.