Räume fürs Erwachsenwerden

Der Bildungscampus Neufreimann begleitet Kinder und Jugendliche durch sehr unterschiedliche Lebensphasen. Für uns war deshalb wichtig, den unterschiedlichen Altersstufen auch räumlich eine eigene Identität zu geben. Vom Haus für Kinder bis zum Gymnasium verändert sich die räumliche Atmosphäre mit den Nutzerinnen und Nutzern und begleitet ihren Weg vom frühen Kindesalter bis zum Schulabschluss über Farben, Materialien und Oberflächen.

Von Lila zu Gelb – Mitwachsende Farbwelten
Im Haus für Kinder prägen dunklere Blau- und Lilatöne sowie stärker strukturierte akustische Holzoberflächen die Räume. In der Grundschule wird die Farbigkeit heller und wärmer, mit Orange und erdigen Grüntönen. Die akustischen Holzstrukturen sind hier feiner ausgebildet. Im Gymnasium bestimmen helle Gelbtöne und gefräste Holzwolle-Leichtbauplatten die Atmosphäre. Sichtbeton, Holz, farblich abgestimmtes Linoleum und Fliesen bilden dabei die gemeinsame Materialbasis des Innenausbaus. Farbglas greift die jeweilige Farbwelt in den Klassenräumen und in den Öffnungen der Pausenhofwände auf – in Orange in der Grundschule und in hellem Gelb im Gymnasium.

Tageslicht bis tief ins Haus – Lichtführung in den MINT-Räumen
Eine besondere Aufgabe stellte die Belichtung der naturwissenschaftlichen Fachräume (MINT-Räume) im Gymnasium dar. Einige von ihnen erhalten Tageslicht ausschließlich über eingeschnittene Innenhöfe, die sich über drei Geschosse erstrecken. Gemeinsam mit dem Lichtplanungsbüro 3lpi entwickelten wir deshalb ein Konzept, das das Tageslicht über reflektierende Oberflächen bis in die tieferen Ebenen führt. Das Lichtkonzept wurde von Prof. Dr. med. Herbert Plischke vom Zentrum für angewandte Sehforschung der Hochschule München unter gesundheitlichen Gesichtspunkten begleitet. Auf Grundlage des Gutachtens wurden am Fuß der Lichthöfe polierte Edelstahlkugeln installiert, die mit dem Sonnenstand wandernde Lichtreflexe erzeugen. Diese bewegten Lichtpunkte sollen die Wahrnehmung anregen und sich positiv auf das Wohlbefinden von Lernenden und Lehrenden auswirken.

Farbe im Licht – Farbglas und Pausenhöfe
Auch in den Pausenhöfen wird Licht zum Teil des Gestaltungskonzepts. In die Klinkerwände sind quadratische Öffnungen eingeschnitten, die teilweise mit Farbglas gefüllt sind. Bei tief stehender Sonne fällt das Licht durch diese sogenannten Lichttubes in die Höfe und trägt die Farbwelten der Innenräume nach außen: Orange in der Grundschule, helles Gelb im Gymnasium. Je nach Sonnenstand verändern sich Intensität und Wirkung der farbigen Lichtflächen im Tagesverlauf. So setzt sich das Zusammenspiel von Licht und Farbe von den Lernhäusern bis in die Außenbereiche fort und verleiht auch den Pausenhöfen eine eigene Atmosphäre.